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Fotos aus dem Umfeld - Seite 1

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Ich saß in einem Gemälde Mati Klarweins
 
Der Maler Michael Krähmer besuchte den Künstler auf Mallorca

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Als ich Ende der siebziger Jahre in einem Buchladen zufällig über die "God Jokes" von Mati Klarwein stolperte, traf es mich beim Durchblättern wie ein elektrischer Schlag: Wow!, dachte ich, so faszinierend kann Malerei sein!
 
Ich tauchte ein in diesen Strudel verrücktester exotischer Details in seinen Bildern und in nächster Zeit saß ich nächtelang mit der Lupe über den Bildern und wanderte darin herum, von einer Überraschung zur anderen, von einer Realitätsebene in die nächste. Es war wie ein psychedelischer Drogentrip, sich in seine Bilder zu versenken. Kein Detail war ihm zu unwichtig, mit einer geradezu irrwitzigen Besessenheit malte er Hunderte, ja Tausende von Steinchen, Blättern, Grashalmen mit halluzinatorischer Genauigkeit. Und hinter jeder Ecke tat sich eine neue Tür auf in weitere Ebenen der Realität, man konnte durch diese Pforten der Wahrnehmung in neue magische Welten eintreten, die sich jeder rationalen Erklärung entzogen.
 
Das war die Initialzündung für mich, selber anzufangen zu malen und seit zwanzig Jahren lebe ich nun als Maler meiner "Magischen Landschaften".
 
Wenn es interessiert:
www.michael-kraehmer.de
 

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Mati Klarwein im Juni 2000
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Mati Klarwein im Juni 2000
Foto: Michael Krähmer

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In all den Jahren hatte ich keine nähere Information über Mati außer der Angabe in "God Jokes", daß der Aleph Tempel im Ernst Fuchs Museum in Wien steht. So fuhr ich nach Wien in die Villa von Ernst Fuchs, aber der Tempel war gerade in einer Galerie in Paris. Also bretterte ich die ganze Strecke von Wien nach Paris und dann stand ich tatsächlich mit offenem Mund in diesem legendären Schrein, über und über voller psychedelischer Bilder, so daß es einem ganz schwindlig werden konnte, und da war auch die berühmte "Annonciation", die auf dem Abraxas Cover von Santana abgebildet ist.
 
Viele Jahre hatte ich danach keinerlei Information über Mati Klarwein, bis mir ein Bekannter seine Adresse auf Mallorca verriet. Ich schrieb ihm und schickte ihm einen Kalender mit meinen "Magischen Landschaften" und er gestattete mir, ihn zu besuchen. Im Juni 2000 flog ich nach Mallorca.
 
Ich rief ihn an. "How are you" fragte ich.
"I'm tall and handsome" antwortete er.
 
Er liebte solche Wortspielchen. Wir verabredeten uns im La Fonda in Deya, wo man oberhalb der Straße auf der Terrasse unter Weinreben saß. Ich hatte schon ein Kribbeln im Bauch. Endlich, nach fünfundzwanzig Jahren, begegnete ich dieser Legende, dem Guru der psychedelischen Malerei, der eng befreundet war mit Dali, Ernst Fuchs und Timothy Leary und zu dessen Bewunderern Carlos Santana, Jimmy Hendrix, Miles Davis, Brigit Bardot und viele andere Stars der Siebziger gehörten, der aber selber nie richtig ins Rampenlicht der Öffentlichkeit kam und immer nur einem kleinen Kreis von Insidern bekannt war, obwohl das Bild auf dem Abraxas-Cover wahrscheinlich eines der bekanntesten Gemälde der Welt wurde. Zuerst sah ich nur einen schlappigen Indiana-Jones-Hut an der Steintreppe auftauchen und wußte sofort: Das ist er. Ein graubärtiger, schlanker Steppenwolf, leicht entrückt, mit schwarzen, klaren Augen und lässiger Kleidung. Wir bestellten Rotwein. Mati zog einen zerbeulten Joint aus der Tasche und wir plauderten und lachten viel.
 

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Die Bucht von Deya
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Die Bucht von Deya
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Die Bucht von Deya
oben in "natura",
und als Detail des Bildes "Annonciation"

Foto: Michael Krähmer

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Am nächsten Abend fuhr ich in die Bucht von Deya hinunter, den Schauplatz mehrerer Bilder Matis. Es war ein wirklich psychedelisches Erlebnis: Ich erkannte die Szenerien wieder und setzte mich in das offene Fischrestaurant, das man auf der "Annonciation" von oben erkennen kann. Ich war der einzige Gast und die abendliche Sonne zeichnete die felsige Bucht mit den vielen großen Kieseln in überscharfen Kontrasten ab.
 
Im unwirklich türkisgrünen Wasser tanzten die orangefarbenen Lichtreflexe der Felsen wie riesige Mövenschwärme. Ich zelebrierte diesen göttlichen Augenblick mit einer Flasche Rosado und wurde total high:
 
Ich saß in einer anderen Welt,
ich saß in einem Gemälde Mati Klarweins!
 
Zwei Tage später lud mich Mati zum Essen bei sich nach Hause ein. Ich war mächtig stolz, daß er mir diese Ehre zuteil werden ließ. Zu Matis Haus führte ein schlängeliger Weg durch einen alten Olivenhain hinauf, der auf steinigen Terrassen angelegt war. Oben erwartete mich eine weltabgeschiedene Idylle: Ein Finca mit ein paar alten Häusern aus Natursteinen und einer grasbewachsenen Terrasse zum Meer hin, wo man in einiger Entfernung jenen kleinen weißen Pavillon dieses österreichischen Adligen sehen konnte.
 
Drinnen schlurfte Mati durch eine bilderbuchhafte Unordnung, überall Bücher, Zeitschriften, Trommeln - und da standen auch die Bilder, übereinander an die Wand gelehnt.
 
Mati bereitete das Essen zu: Schwarze Tagliatelle mit Mais und Pesto. Nach dem Essen zeigte er mir noch sein Atelier im Nachbarhaus, genauso wildromantisch und genauso vollgekramt mit Bildern und Büchern. Er arbeitete gerade an einem wunderschönen Bild, mit Motiven aus seiner Umgebung: Das weiße Tempelchen und der Fels mit dem Loch waren darin verarbeitet.
 
Später bat ich ihn noch vor dem Abschied, ein paar Fotos machen zu dürfen.
 

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Mati Klarwein
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Mati Klarwein gif Mati Klarwein

"Come on, Mati, gimme a smile", sagte ich,
"think of all the beautiful women you had in your life!"

Fotos: Michael Krähmer
 
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